Mehr Freiheiten für Autohändler - Roland Barthruff, stv. Vorstandsvorsitzender des VVMB in der Saarbrücker Zeitung vom 18.10.2002
Keine Kündigungen von Mercedes-Vertragshändlern – Roland Barthruff: Weiterhin enge Bindung an Daimler-Chrysler
Mehr Wettbewerb hat die EU dem Auto-Markt verordnet. Roland Barthruff, Geschäftsführer der Saarpfalz-Garage, hat jetzt mehr Freiheiten, ist aber doch weiterhin eng mit Mercedes-Benz verbunden.
St. Ingbert. Seit 1. Oktober ist die Regelung der EU-Kommission zur Liberalisierung des Autohandels in Kraft. Mehr Wettbewerb soll die Fahrzeuge zur Freude der Käufer billiger machen, die Macht der Hersteller soll beschnitten werden. Autoproduzenten und -händler haben ein Jahr Zeit, die so genannte Gruppenfreistellungs-Verordnung (GVO) umzusetzen. Diese neue GVO hebt die strikte Markenbindung der Autohändler auf und soll grenzüberschreitenden Handel mit Neuwagen erleichtern. Mehrere Unternehmen haben bereits mit der Umsetzung der GVO begonnen.
Mercedes-Benz geht einen Sonderweg in der Vertragsgestaltung mit seinen Partnern. Wie der stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Vertragswerkstätten der Daimler-Chrysler AG und Geschäftsführer der St. Ingberter Mercedes-Benz-Vertragswerkstatt Im Pottaschwald, Roland Barthruff, mitteilt, blieb "allen Partnern, die der inländischen Vertriebsorganisation der Daim1er-Chrysler AG angehören, im Gegensatz zu den meisten anderen Marken eine Strukturkündigung auf Grund der neuen EU-Gesetzgebung erspart". Die Daimler-Geschäftsleitung der deutschen Vertriebsorganisation sowie der Bundesverbands-Vorstand, der die Interessen der etwa 540 Vertragswerkstätten vertritt, habe eine Kompromisslösung erarbeitet, die sowohl der neuen europäischen Gesetzesvorlage wie auch den Interessen der Vertragspartner gerecht werde. Wie Barthruff gegenüber unserer Zeitung erklärt, habe eine Strukturkündigung nicht im Interesse der Vertragsparteien gelegen.
Vielmehr sei er der Meinung, dass die zukünftigen Herausforderungen des Automobilmarktes bewältigt werden können, wenn die ,,vertrauensvolle Zusammenarbeit mit aktiven Vertragspartnern zu gewährleisten ist“. Es seien inzwischen den entsprechenden Partnern neue GVO-gemäße Verträge zur Unterschrift vorgelegt worden, die dann ab 1. Oktober 2003 gültig werden. Wie Barthruff im Gespräch mit der ,,SZ" weiter betonte, sei die Bindung der Händler zu Daimler-Chrysler immer noch eng, aber "der Grad der Freiheit hat sich erhöht“. Beispielsweise dürften Händler künftig Original-Ersatzteile direkt bei den Zulieferern besorgen. Auch Neuwagen dürften grundsätzlich bei einem Händler im EU-Ausland besorgt werden, der das Modell möglicherweise billiger anbietet als der Hersteller. Schließlich könnten sie auch Werkstattverträge mit anderen Auto-Herstellern abschließen.
Wegen der künftigen Trennung von Vertrieb und Service erhielten alle Vertragspartner jeweils separate Verträge für die beiden Bereiche. Die Partner, so Barthruff, erhalten maximal sechs Einzelverträge, jeweils drei für Verkauf/Vermittlung und drei für Service und Ersatzteile, getrennt für die Sparten Pkw, Transporter und Lkw. Er selbst habe für die Saar-Pfalz-Garage St. Ingbert bereits alle Verträge unterschrieben. Er sei überzeugt, dass die neuen Verträge für die Partnerbetriebe "eine hervorragende Basis für das zukünftige Engagement für die Marke Mercedes-Benz darstellen".
Für die Saar-Pfalz-Garage in St. Ingbert sieht der 50-jährige Geschäftsführer Roland Barthruff gelassen in die Zukunft. Die derzeitige Konjunkturflaute dämpfe zwar das Geschäft, aber er wolle auch weiterhin fair und vertrauensvoll mit seinen Kunden umgehen. "Wir haben viele Stammkunden, und wenn man in ihnen Vertrauen erweckt und allen gleiche Konditionen einräumt, dann kommen die meisten immer wieder", berichtet Barthruff aus seiner fast 20-jährigen Erfahrung in der Saar-Pfalz-Garage. Insofern sieht er die Zukunft "nicht schlecht", und die Konkurrenz fürchte er ebenfalls nicht. Neben seiner Geschäftsführer-Tätigkeit in der Mittelstadt ist der Kauf-mann in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Vertragswerkstätten der Daimler-Chrysler AG auch stark gefordert. Etwa 35 Arbeitstage im Jahr sei er im Verband aktiv, erklärt Barthruff im Gespräch mit der ,,SZ". Und welche Autos bevorzugt der Mercedes-Mann persönlich? "Ich bin schon viele Modelle gefahren, auch einen Smart. Momentan fahre ich einen Mercedes aus der E-Klasse, den E 220 cdi", erzählt der 50-Jährige und posiert bereitwillig für den ,,SZ"-Fotografen vor dem 45000 Euro teuren Dieselfahrzeug, ehe er wieder in seinem Büro Im Pottaschwald verschwindet.